Warum diese Perspektivenpraxis?
Viele Konflikte entstehen nicht, weil jemand „falsch“ liegt, sondern weil Menschen aus verschiedenen Perspektiven sprechen. Die eine Person meint Gefühle, die andere meint Fakten. Die nächste meint Werte und wieder eine andere meint Systeme. Ich weiß aus persönlichem Erleben, dass es vielen von uns schwer fällt, offen zu bleiben, nicht innerlich hart zu werden und sich nicht in die eigene Sichtweise zu verbeißen, wenn der andere die Dinge vollständig anders sieht. Deshalb würde ich gerne lernen, weniger aneinander vorbeizureden, und üben, die verschiedenen Ebenen zu unterscheiden, um sie dann zusammenzubringen.
Das verändert etwas im Nervensystem: Weil ich nicht mehr alles durch eine Brille pressen muss, nimmt es Druck raus. Es macht mich weiter. Es ist eine Praxis gegen Engführung. Sie hilft mir, weniger sofort zu wissen, was „richtig“ ist und mehr zu sehen, was gerade wirklich da ist. Wirklichkeit ist vielschichtig.
Was ich innerlich erlebe, was äußerlich passiert, was zwischen Menschen entsteht und welche Systeme im Hintergrund wirken. Das sind unterschiedliche Ebenen und jede zeigt etwas, was die anderen leicht übersehen.
Meine Perspektivendarstellungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wahrheit im objektiven Sinne. Der Ansatz, den ich hier verfolge, stammt aus der Integralen Theorie, die von Ich-Entwicklung, Bewusstseinszuständen und Multiperspektivität ausgeht und versucht, so viele Perspektiven wie möglich in ein Ganzes zu integrieren. Das klingt theoretischer, als es ist. Du musst dafür nichts wissen und kannst einfach mit üben.
Der Grundsatz besagt, dass jede Perspektive etwas Wahres zeigt (wenn auch manchmal nur ein verstecktes Fünkchen) – und gleichzeitig auch immer etwas übersieht. Jede Sicht wird problematisch, wenn sie so tut, als wäre sie die einzig richtige.
Ich möchte versuchen, diese Übung auf folgende Kategorien anzuwenden:
- Natur als Objekt da draußen
- Innenleben als Objekt im Geist
- Beziehung als Feld zwischen uns und der Welt
- Ideen und Konzepte als Objekte im Geist und in Kultur
Jede Folge endet mit einer Einladung zu einer kleinen Übung.
Es geht nicht darum, jede Sichtweise oder Meinung als gleichwertig im Sinne von gleich gut oder gleichberechtigt zu behandeln oder alles zu relativieren. Es geht darum, die jeweils enthaltene Teilwahrheit zu erkennen, die blinden Flecken mitzudenken (nicht nur beim anderen, auch bei sich selbst) und so ein vollständigeres Bild zu gewinnen, damit wir klarer unterscheiden, besser entscheiden und menschlicher miteinander umgehen können.